.: Ausgabe   Nr. 14 :.

Text: Milna Nicolay

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Kinder ficken - Kavaliersdelikt?

Da schauen sich Männer im Internet Kinderpornos an und ein Aufschrei schwappt durch die Medien. Von „alles nicht so schlimm“ bis hin zu „Kastrieren die Schweine“ war alles zu lesen. Nur nichts zur Situation Überlebender.

Sehr viele Frauen und auch Männer gehören zu den Opfern. Die Therapiepraxen sind voll davon. Ein ganzer Berufszweig lebt gut mit den Alpträumen aus der Kindheit. Es ist nicht die Justiz. Soviel sei verraten. Die verurteilt lieber einen Strommastensprenger zu 10 Jahren Zuchthaus (TAXI Nr. 13) als einen Kinderficker. Kürzlich wurde ein Schweizer Vater wegen über 400facher Vergewaltigung seiner Tochter zu vier(!) Jahren Gefängnis verurteilt.

Betroffenheitsberichte hätten mehrere TAXI-Ausgaben gefüllt. Aber genau das wollten wir nicht. Kein Voyeurismus auf Kosten der Opfer. Wir drucken Statements von Überlebenden anonym und ohne weitere Kommentare ab.

*** Schreibe mir seit einigen Wochen mein Leben von der Seele. Bei den Passagen über meinen Missbrauch und körperlichen Misshandlungen bekomme ich immer noch Herzrasen und einen Kloss im Hals. Wird es nie aufhören? Wie alt muss man werden, um damit fertig zu werden? Bei mir hat es 35 Jahre gedauert, bis ich mir darüber im Klaren war, dass mein verkorkstes Leben etwas mit Familie und Missbrauch zu tun hat. Seit 15 Jahren versuche ich, einen neuen Weg zu finden. Ich möchte auch anderen Mut machen, es zu versuchen. Der Weg ist lang und schwierig, und Rückschläge gibt es immer wieder. Die Abstände dazwischen werden jedoch mit der Zeit grösser und grösser. Und irgendwann erreicht man das andere Ufer. Heute kann ich morgens schon aufwachen und fröhlich sein, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Ist das nichts?

*** Habe jahrelangen sexuellen Missbrauch durch meinen Stiefvater mitgemacht, mir fällt es nicht leicht darüber zu reden oder zu schreiben. Seit über einem Jahr bin ich in therapeutischer Behandlung, was auch sehr sinnvoll ist. Nun bin ich an einem Punkt in meiner Therapie angelangt wo ich nicht mehr weiter weiss und Angst vor mir selber bekomme, Dinge hoch kommen die ich getan habe, wofür ich mich schäme, weil ich damit andere verletzt habe, was ich im eigentlichen Sinne nie tun würde, bin ich zu diesen Zeitpunkten ein anderer Mensch? Jetzt habe ich nämlich den Bogen überspannt und meinen Freund verletzt, sehr verletzt, so verletzt, dass ich Angst vor mir selber habe und auch Angst vor ihm, traue mich nicht mehr aus dem Haus, Freunde anzurufen oder schon gar nicht mehr, mich mit ihnen zu treffen, nur um unsere Beziehung zu retten. Erzähle meinem Freund sehr viel von meiner Vergangenheit, dass er mich verstehen kann, aber um so mehr ich davon erzähle, um so mehr bekommt er Angst vor mir, das ich ihn wieder verletzen könnte. Festgestellt habe ich, dass ich nur andere verletze, die mir auch weh getan haben. Manchmal denke ich, ich bin verrückt, man müsste mich einsperren, damit ich nicht noch was Schlimmeres tue.

*** Mein Vater hat sich das Leben genommen. Seit Jahren mache ich mit eine Therapie, wobei mehrere Klinikaufenthalte das Wichtigste für mich waren, da ich dort durch Körperarbeit überhaupt einen Zugang zu meinen Gefühlen bekam und auch, weil ich seitdem weiss, dass es viele betroffene Frauen und auch Männer gibt und ich nicht allein bin.

*** Auch ich bin ein Opfer von Kindesmissbrauch. Mit 12 wurde ich von einem Nachbarn vergewaltigt. Es tut sehr weh, darüber zu sprechen, denn ich sass fast 10 Jahre lang in einem Trauma fest. Hatte einfach oft Angst und war sehr aggressiv. Doch ich habe mich erinnert, an alles, und warum ich es verdrängt habe. NUN HABE ICH ENDGüLTIG GENUG VOM SCHWEIGEN! - ich sollte schweigen, hat mir die Kreatur eingeimpft, und das tat ich, doch nun soll Schluss sein damit! Wenn nur einer der Opfer das Schweigen bricht, hat es schon geholfen. Ich würde mich gerne auch mehr engagieren. Aber eins nach dem anderen. Auch wenn ich allein nicht viel ändern kann, jeder Schritt zählt, um dem Grauen endlich ein Ende zu bereiten!

*** Es war ein langer Weg. Ich habe überlebt, all das hätte ich ohne meine Kraft und Stärke nicht geschafft.

*** Irgendwann hatte ich alles verdrängt und wunderte mich, warum ich mit dem Leben nicht klar kam. Mit 27 Jahren war ich seelisch am Ende. Zu diesem Zeitpunkt habe ich meinen Mann kennengelernt. Er hat mich geliebt wie ich bin und aufgefangen. Der erste Mensch mit dem ich darüber reden konnte. Und die Erinnerungen kamen, nicht alle, aber doch sehr viele. Die Spuren die der Missbrauch bei mir hinterlassen hatte, konnte ich damals noch nicht sehen, ich dachte, ich sei nichts wert. Ich machte mich zur Schuldigen. Nur durch meinen Mann konnte ich ein einigermassen normales Leben führen, geheilt bin ich aber noch lange nicht.

*** Nachts kommen bei mir die Erinnerungen hoch. Ich wurde plötzlich von einem Alptraum wach und paar Minuten später schoss das Bild wie ein Diafilm hervor. Ich konnte kein Gesicht erkennen, nur eine schwarze Gestalt, die direkt über mir stand, ich war nicht mehr ich selber, sondern das Kind, ich fühlte, wie ich mich in meinem ehemaligen Kinderzimmer befand und eine furchtbare Angst hatte, es war einfach entsetzlich und grauenhaft. Aber am schlimmsten war diese furchtbare Angst, die ich plötzlich empfand. Seit dieser Nacht war ich mir zum ersten Mal sicher, dass in meiner Kindheit was passiert ist, aber momentan bin ich schon wieder am Zweifeln. Dieses hin und her treibt mich fast in den Wahnsinn.

*** Ich kann meine Grenzen erkennen und benennen und ganz wichtig, ich kann es Anderen mitteilen. Ich bin nicht mehr hilflos der Opferrolle ausgeliefert, ich wehre mich, mache meinen Standpunkt deutlich, vertrete ihn.

*** Ich wurde zwischen 11-16 missbraucht und vergewaltigt. Es geschah in einem Heim. Mutti, wie wir zur Leiterin sagten, war ständig betrunken. Vati verging sich an mir. Als ich aus dem Haus war, nahm er meine Halbschwester. Vor einigen Jahren wurde er wegen Verdacht auf Missbrauch entlassen. Niemand konnte es nachweisen, ich wurde nicht befragt. Erst jetzt, als ich am Ende war und etwas dagegen unternehmen wollte, habe ich davon erfahren. Das kranke daran? Irgendwann wurde mein Missbrauch totgeschwiegen, ich unterstützte das, da es so leichter erträglich war. Als ich meinen Mann kennenlernte, wurde mein Peiniger zum lieben Schwiegervater. Mutti hörte auf zu trinken. Ich habe mehrere Kinder, führe eine glückliche Ehe, war nahezu perfekt. Ich habe nur nicht mit meiner Psyche gerechnet. Mein Glaube war, dass die Zeit alle Wunden heilt. Da ich den Zustand, dass die Menschen, die meine Kindheit auf dem Gewissen haben, die Grosseltern meiner Kinder sind, nicht mehr aushielt und nicht wusste, wie ich meiner Familie erklären sollte, warum ich mit „meinen Eltern“ brechen will, fand ich, es wäre das Beste für alle, wenn ich mich aus dem Leben stehle. Wir sind alle Überlebende, warum sollte ich gehen? Ich habe keinem Böses getan! Ich konnte mit Hilfe einer Psychologin, eines Arztes, meiner Familie, Freunden und Antidepressiva die Kraft und den Mut aufwenden Anzeige zu erstatten. Ich sammelte Zeugen, meine Schwester und ging zur Polizei. Was sich so leicht schreibt, war knochenharte Arbeit. Unter der Beweislast gab mein Peiniger die meisten Anschuldigungen zu. Mir geht es mal gut und manchmal schlechter. Solche Sch.... dürfen nicht länger herumlaufen. Auch die Mittäter sollen bestraft werden. Weil ich zu lange nicht über die schmerzhafte Erinnerung reden konnte, könnte es sein, dass dieser Täter keine Strafe bekommt. Dass er ungehindert weiter macht. Jeder der spricht, hilft ein Stück mit, dass die Gesetze menschlicher werden. Ich hoffe wir finden unseren Seelenfrieden!

*** Vor ca. 6 Jahren haben mich die Erinnerungen eingeholt, ich musste die Ärmel hochkrempeln und langsam die Türen zu meinem Seelengefängnis öffnen. Ich fühlte mich nicht komplett. Vor 5 Jahren habe ich mit Hilfe einer Therapeutin ein kleines Mädchen kennengelernt, das total eingesponnen in einem Loch vor sich hinstarrte, klein, eiskalt die Haut und völlig alleine. Ich habe gelernt mit diesem Kind zu leben, dem Kind, das so wenig kannte und so ängstlich war, sich nichts zutraute und wusste. Ich habe gelernt, mich selbst in den Arm zu nehmen und den Trost zu spenden, der für meine Heilung so wichtig war, natürlich musste ich auch lernen, diesem Kind zu vertrauen, all den Erinnerungen, die es aufgehoben hatte. Seit ich den Erinnerungen glaube, sie annehme, kehrt Ruhe in mir ein. Ich habe gelernt, mit meinem Zorn und meiner Trauer und dem Schmerz umzugehen. Ich muss mich nicht mehr monatelang in den dunklen Löchern meiner Seele quälen, ich kann mich selbst auffangen und rausholen.

*** In letzter Zeit merke ich, dass meine Eltern ihren Schrecken verlieren und teilweise schon verloren haben. Mein Vater ist gestorben und meine Mutter leidet unter Verkalkung, weiss gar nichts mehr und kann auch nicht mehr sprechen oder gehen. Ich habe im letzten Jahr gelernt, dass sie mir nichts mehr anhaben können. Das ist ein sehr gutes, befreiendes Gefühl.

*** Ich wurde als kleines Kind von einem Nachbarn sexuell missbraucht. Ich bin männlichen Geschlechts. Man spricht immer über Frauen. Es gibt auch Männer. Ich bin jetzt 25 und hab die gleichen Probleme wie eine Frau. Ich suche eine Selbsthilfegruppe für Männer die missbraucht worden sind, hab aber bis jetzt keinen Erfolg gehabt. Irgendwie werden wir vergessen oder Männer wollen darüber nicht sprechen.

Aber ich habe das Bedürfnis darüber zu sprechen.

*** Vor ca. 6 Jahren haben mich die Erinnerungen eingeholt, ich musste die Ärmel hochkrempeln und langsam die Türen zu meinem Seelengefängnis öffnen. Ich fühlte mich nicht komplett. Vor 5 Jahren habe ich mit Hilfe einer Therapeutin ein kleines Mädchen kennen gelernt, das total eingesponnen in einem Loch vor sich hinstarrte, klein, eiskalt die Haut und völlig alleine. Ich habe gelernt mit diesem Kind zu leben, dem Kind, das so wenig kannte und so ängstlich war, sich nichts zutraute und wusste. Ich habe gelernt, mich selbst in den Arm zu nehmen und den Trost zu spenden, der für meine Heilung so wichtig war, natürlich musste ich auch lernen, diesem Kind zu vertrauen, all den Erinnerungen, die es aufgehoben hatte. Seit ich den Erinnerungen glaube, sie annehme, kehrt Ruhe in mir ein. Ich habe gelernt, mit meinem Zorn und meiner Trauer und dem Schmerz umzugehen. Ich muss mich nicht mehr monatelang in den dunklen Löchern meiner Seele quälen, ich kann mich selbst auffangen und rausholen.

*** Ich bin selbst Überlebende. Habe vor zwei Jahren mit der Therapie angefangen und mache wohl auch Fortschritte – auch wenn sie klein sind!

*** Ich lebe mit einer Betroffenen zusammen und weiss nicht wie ich helfen kann. Am meisten Probleme hat sie mit ihren Träumen. Mittlerweile ich auch! Am Anfang war es ER der in ihren Träumen auftauchte und jetzt bin ich derjenige der sie in ihren Träumen missbraucht! Ich habe ihr oft geraten etwas dagegen zu tun, aber da es sich beim Täter um ihren Onkel handelt, hat sie Angst sie könnte damit ihre Familie zerstören. Sie nimmt dann noch lieber alles auf sich!

*** Zum Missbrauch durch meinen Vater kam die Tatsache, dass er Alkoholiker war und sich meine Eltern nicht verstanden haben. Meine Mutter wusste vom Missbrauch, hat aber nichts dagegen unternommen. Ab 10 habe ich mich gegen den sexuellen Missbrauch gewehrt, der Seelische ging weiter.

*** Es erscheint es mir selbst unwahrscheinlich, wie ich das alles überlebt habe und ich rede mir auch immer ein, dass ich nicht vergewaltigt worden bin. Ich stehe immer wieder vor dieser Mauer, dass es viel schlimmere Fälle gibt und mache meine Sache ganz klein und bedeutungslos. Als ich drei war, wurde ein pornographisches Bild von mir gemacht. Ich kann mich nur daran erinnern. Vielleicht gibt es noch mehr schlimme Sachen, aber mein Unterbewusstsein hat es verdrängt. Für diese Sache schäme ich mich schon wahnsinnig, vor allem weil meine Mutter mich verraten und verkauft hat. Mit sieben wurde ich vom Partner meiner Mutter missbraucht. Als sie dann wieder mal einen neuen hatte, dauerte es bis ich 14 war und er versuchte es mit mässigem Erfolg. Ausgerechnet meine Oma fragte mich einige Tage später, ob er mich schon mal angepackt hatte und ich fing an zu weinen. Sie erzählte es daraufhin meiner Mutter, aber die glaubte mir nicht, denn sie ist heute mit diesem Schwein verheiratet. Ich bin ja nicht vergewaltigt worden und dieser Dreckstyp sagte nur: „Also wenn ich sowas gemacht haben sollte, dann war ich besoffen und dann würde ich mich auch entschuldigen.“ Wieder wurde ich verraten. Ich würde meiner Mutter so gerne die Meinung sagen, aber sie ist momentan in einer schwierigen Situation und würde sowieso alles runterspielen. Ich möchte gerne eine Therapie machen und alles aufarbeiten. All das wofür ich mich schäme. Diese Blokade nichts wert zu sein kriege ich alleine nicht los.

*** Ich bin 29 Jahre jung! Ich wurde von meinem 8. zu meinem 18. Lebensjahr, von meinem Stiefvater, sexuell missbraucht.

Nachdem der Missbrauch zum 1. mal stattfand, drohte ich meinem Stiefvater, mit 8 Jahren, es meiner Mutter zu sagen. Er verprügelte mich daraufhin, sodass ich nie wieder an „darüber reden“ dachte. (Ich schreibe heute noch lieber als reden...) Mit 18 zog ich von zu Hause aus. Mein ständiger Begleiter war der Alkohol. Wahrscheinlich machte er mich ein wenig mutiger, denn ich gab meiner Mutter mein Tagebuch. Es hielt sie aber nicht davon ab, diesen Mann zu verlassen. (Sie ist heute noch mit ihm zusammen.) Zum Alkohol kamen mit den Jahren auch andere Drogen, um die Schmerzen, die Traurigkeit, die Angst und die Furcht weiterhin er- und überleben zu können...

Mit 24 liess ich mich freiwillig in eine stationäre psychiatrische Klinik einweisen, in der ich, ohne Drogen oder Tabletten, eine 6-monatige Therapie durchlebte. Danach wieder daheim ging ich 3 Jahre wöchentlich in ambulante Therapie. Der Erfolg der Therapie ist, dass ich keine Angst mehr vor diesem Mann habe. Und wenig Angst vor Männern. Keinen Verfolgungswahn. Ich habe etwas Vertrauen in mir gefunden. Ich habe gelernt, mich wehren zu dürfen bzw. zu müssen. Auch wenn dieses Erlebnis durchlebt und verarbeitet ist, leide ich auch heute noch. Die Sucht ist das Schlimmste von Allem. Die Such(e)t nach Liebe, nach Zärtlichkeit, nach Ruhe, nach Wohlbefinden...

Schlimm ist ebenfalls die Verlagerung meiner Angstzustände, die früher der Tatsache galten: „heute ist es wieder soweit. Er will Sex!“ Diese Angstzustände gelten heute anderen Dingen... Aber sie sind vorhanden. Ich weiss nicht, ob sich das jemals in mir löst, aber ich glaube daran!

Es war immer mein Glaube daran: Ich bin doch eigentlich lieb, und das was geschehen ist, war nicht meine Schuld!!!

*** Ich kann mich nicht erinnern wann ich zum ersten mal missbraucht wurde, und ich will es nicht wissen. Meine Eltern trennten sich als ich ein Baby war, weil mein Vater meine Schwestern missbrauchte. Immer wenn ich ihn später dann traf, auf den obligatorischen Besuchen die überwacht waren, ekelte ich mich vor ihm. Mit sechs Jahren wurde ich zum ersten mal missbraucht. An das kann ich mich erinnern. Der Junge war ein Teenager und versuchte mit mir zu verkehren, was nicht ging und so weiter. Es gab weitere Male in denen ich mit Männern in Kontakt kam und mein Verhalten als Kind war auch nicht mehr so normal. Ich setzte körperliche Nähe mit Liebe gleich. Als Teenager war ich immer wahnsinnig abhängig von meinen Freunden und kam so an einen Freund der mich schlug und misshandelte. Jetzt bin ich verheiratet und habe Kinder. Soweit schlage ich mich ganz ordentlich durchs Leben. Momentan stille ich eines meiner Kinder. Es ist ein Mädchen. Ich hatte dabei ein Erlebnis, das mich tief erschütterte. Ich stillte sie und schaute ihr dabei mit Freude zu wie sie schmatzte. Plötzlich ‘sah’ ich ein Babymund an einem Penis so schmatzen und war sehr zerstört. Danach hatte ich einige Tage sehr Mühe sie überhaupt zu stillen und weinte viel. Ich lebe nach dem Motto, es ist nichts zu ändern, ich muss nun einfach lernen damit umzugehen und zu leben. Bis jetzt habe ich das niemandem erzählt, auch nicht meinem Mann. Ja, vielleicht hat das Ganze etwas mit meinem Vater zu tun, aber ich will es weiter gar nicht wissen.

*** Habe massive Essstörungen. Mache deswegen eine Therapie. Es kommt immer in Etappen hoch. Habe mehrere Suizidversuche hinter mir. Mein Therapeut hilft mir sehr. Mehr kann ich leider jetzt einfach nicht schreiben.

*** Ich wurde jahrelang von meinem Vater missbraucht. Meine Mutter lag meist verladen im Bett. Heute bin ich geschieden und habe drei Söhne. Ich überlebe mit Antidepressiva und meiner Therapeutin. Manchmal sehe ich in meinen Söhnen Züge meines Vaters. Ich gebe mir Mühe meine Söhne nichts spüren zu lassen. Es ist nicht ihre schuld. Ich hasse meinen Vater. Er ist wieder verheiratet und hat neue Kinder. Ich träume davon ihm das Haus anzuzünden.

*** Als uneheliches Kind, vom Stiefvater zwischen 11 und 16 ständig missbraucht, gottseidank ohne Penetration. Dafür, dass ich mich geweigert habe, ihn mit dem Mund zu befriedigen und die Penetration zu verweigern, bin ich regelmässig zusammengeschlagen worden.
Mit 16 abgehauen, zwei Jahre bei einer Tante gelebt. Mit 18 den erstbesten geheiratet, um wegzukommen. Scheidung nach sieben Jahren, viele Jahre der Hilflosigkeit, kein Selbstwertgefühl, viele gescheiterte Beziehungen, 5 Jahre Therapie.
Die Therapie hat mir vieles klargemacht, seitdem ist es mir möglich, Probleme bewusster anzugehen. Ich weiss jetzt, dass er eine Drecksau war und mich keine Schuld trifft. Er ist gottseidank seit 1996 tot. Mit seiner Beerdigung habe ich ein letztes Stück meiner Kindheit und Jungend und meinen Hass auf ihn zu Grabe getragen. Er hatte einen langen, schmerzhaften, qualvollen letzten Lebensweg. Er hat nach mir gerufen, wahrscheinlich wollte er von mir die Absolution, aber ich konnte und wollte ihn nach allem was er mir angetan hatte und nach so langer Zeit (Tod meiner Mutter 1984) nicht mehr sehen und war froh, als er endlich verreckt war. Er wurde nie zur Rechenschaft gezogen, da mir niemand geglaubt hat. Meine Mutter auch nicht und da ich aus Angst vor ihm keine Anzeige gemacht hatte, konnte er ungestraft weiterleben. In meinem Umfeld wurde ES ignoriert, auch das Jugendamt hat mir nicht geglaubt als ich mit 16 Jahren weggegangen bin und Andeutungen gemacht hatte. Man hat ihm geglaubt. Erst nach seinem Tod habe ich erfahren, dass er auch meine Stiefschwester (sein leibliches Kind) und deren Tochter jahrelang missbraucht hat, allerdings das „volle Programm“ mit Penetration (dafür weniger Schläge).

Meine Schwester ist Alkoholikerin, meine Nichte hauptsächlich in der Psychiatrie.

*** Ich wurde als 12-jährige während zwei Jahren vom Ehemann meiner Tante missbraucht. Irgendwann schöpfte mein Bruder Verdacht und die Sache endete...

Zumindest der Missbrauch. Als die Erinnerung kam, ertrug ich keinen Körperkontakt mehr und meine Beziehung ging in Brüche. Seitdem bin ich alleine, obwohl ich mich nach einem Menschen sehne, dem ich mich anvertrauen kann. Wenn viele Menschen anwesend sind, passe ich auf, niemanden zu berühren. Wenn mich jemand berührt, erschrecke ich. Ich habe erkannt, dass all das und noch viel mehr auf den Missbrauch zurückzuführen ist. Aber noch schäme ich mich, spreche nicht darüber und fühle mich oft schuldig. Ich will etwas dagegen unternehmen und ich hoffe, dass es mir gelingt.

*** Ich wurde von ... bis 12 missbraucht.

Als 15-jährige vergewaltigt. Kann man dieses abhaken? Ich würde es so gerne. Ich empfinde keinen Hass, sondern nur Trauer. Und versinke. Aufgeben? Es wäre ein einfacher Weg, aber Lösung? Muss man dadurch.

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