Sans Papiers – Bleiberecht
Um gegen die schikanöse und
menschenverachtende Umsetzung des Nothilfeartikels im revidierten
Asylgesetz durch den Kanton Zürich zu protestieren, besetzte
eine gemischte Gruppe aus Sans-Papiers und solidarischen Menschen kurz
vor Weihnachten letzten Jahres die Predigerkirche in Zürich.

Diese Aktion wurde von den Medien aufmerksam verfolgt und kommentiert.
Eine wesentliche Forderung der BesetzerInnen an die Zürcher
Behörden war die humane und unbürokratische Umsetzung
der gesetzlich verankerten Härtefallregelung. In anderen
Kantonen hätten viele von ihnen bereits Papiere erhalten. Der
Kanton Zürich ignoriere Härtefälle und
schaffe so Unrecht. Verlangt wurde weiter ein Ende der Kriminalisierung
und Inhaftierung von Sans-Papiers sowie die Aufhebung des
Arbeitsverbots.
KirchenvertreterInnen wollten die AktivistInnen schon am zweiten Tag
der Besetzung mit vagen Versprechungen, wie sie schon bei der
Grossmünster-Besetzung im Jahr davor gemacht worden waren, zur
Räumung der Predigerkirche bewegen. Die BesetzerInnen blieben
indessen und forderten konkrete Schritte seitens der Kantonsregierung
und eine direkte Aussprache mit dem verantwortlichen Regierungsrat Hans
Hollenstein.
Aus einem
Mail-Info der AktivistInnen:
(...) Einige der Forderungen der Sans-Papiers könnte
Regierungsrat Hollenstein ohne weiteres umsetzen. Zu diesen Forderungen
gehört zunächst eine humanere
Härtefallpraxis. Der Kanton bräuchte hierzu lediglich
ein weniger hohes Deutschniveau zu fordern und zur Feststellung der
Identität auch andere Dokumente zu akzeptieren, als
ausschliesslich Reisepapiere (etwa Heiratsurkunden, Taufscheine,
Führerscheine, Schulzeugnisse). Auch die Praxis, Nothilfe in
Form von Migros-Gutscheinen auszurichten und den
Nothilfeempfängern jede Woche eine andere Notunterkunft
zuzuteilen (die sogenannte Dynamisierung) könnte ohne weiteres
aufgehoben werden. Nach Zugeständnissen dieser Art,
könnten die Besetzer ernsthaft über eine
Räumung der Kirche diskutieren. Sowohl die Vertreter der
Kirche als auch die Sans-Papiers haben an der
Vollversammlung betont, wie gut das bisherige gegenseitige Einvernehmen
war. Die Sans-Papiers haben klar gesagt, es sei ihnen bewusst, dass
nicht die Kirche für ihre unerträgliche Situation
verantwortlich sei. Sie haben die Vertreter der Kirche aber gebeten,
den Kontakt zu Regierungsrat Hollenstein herzustellen. Dieser weilt dem
Vernehmen nach bereits in den Weihnachtsferien. Die Sans-Papiers sind
aber nicht bereit, in ihre prekären Unterkünfte
zurückzukehren, solange der Hauptverantwortliche für
ihre Situation die Ferien geniesst und sich einer Aussprache entzieht.
(...)

Für die folgenden Tage stellten die Sans-Papiers ein
abwechslungsreiches politisches und kulturelles Programm zusammen. An
einer weiteren Pressekonferenz am 29. Dezember informierten sie die
Öffentlichkeit über ihre Forderungen und das weitere
Vorgehen. Insbesondere die organisierten Exilantengruppen, die an der
Besetzung teilnahmen, lieferten bei dieser Gelegenheit
Hintergrundinformationen über die Situation in ihren
Heimatländern und erklärten, warum sie entgegen der
Ansicht der Schweizer Migrationsbehörden nicht
zurückkehren können. Einzelne Betroffene boten auch
die Möglichkeit, sie zu ihrer Geschichte zu interviewen.
Solche Interviews wurden auch auf www.bleiberecht.ch, der Homepage des
Bleiberecht-Kollektivs Zürich veröffentlicht. Zwei
davon drucken wir im Folgenden ab:
Bella Dacosta,
28, Angola
Dani Stern. Aus Angst um ihr Leben flog Bella aus Angola nach Europa.
Sie lebt nun in einem Container in Adliswil und erhält
wöchentlich sechs Migros-Gutscheine im Wert von zehn Franken.
Ihr Wunsch: So zu leben, wie die anderen.
„Ich bin Bella Dacosta, 28 Jahre alt und stamme aus Angola.
Ich kam vor neun Jahren nach Europa, nachdem meine Eltern ermordet
wurden. Zwar war damals in Angola der Krieg bereits vorbei, aber
dennoch wurden weiterhin Leute ermordet. Mein Vater war Aktivist in der
Unita-Partei. Ich ging zu dieser Zeit im Kongo in die Schule. Nach dem
Tod meiner Eltern bin ich nach Angola an das Begräbnis
gereist. Danach wollte ich bloss weg. Ich hatte Angst, selber auch
umgebracht zu werden. Ich flog nach Rom, wo ich jedoch niemanden
kannte. Auf dem Bahnhof von Rom sprach mich ein Mann an, der mir Arbeit
versprach. Er wollte, dass ich mich prostituiere. Das wollte ich nicht.
Ich reiste in die Schweiz weiter. Hier meldete ich mich in Kreuzlingen
bei der Empfangsstelle für Flüchtlinge und beantragte
Asyl. Man schickte mich nach Bülach ins Durchgangszentrum und
später nach Fällanden. Mein Asylgesuch wurde nach
vier Jahren abgelehnt, ebenso der Rekurs dagegen. In Angola ist jetzt
Frieden, war die Begründung. Das stimmt nicht. Das Morden geht
weiter. Ich habe Angst, zurückzukehren, ich habe Angst vor den
Leuten, die meine Eltern getötet haben.
Kein Geld für den Zug
Nach der endgültigen Ablehnung meines Asylgesuches kam ich ins
Gefängnis. Zuerst sass ich sechs Tage im
Polizeigefängnis bei der Kaserne, danach wurde ich ins
Ausschaffungsgefängnis beim Flughafen verlegt. Nach drei
Monaten kam eine Aufseherin und legte mir ein Papier vor, das ich
unterschreiben musste. Sie sagte mir: «Bella, du bist frei.
Aber du musst jetzt die Schweiz verlassen». Daraufhin konnte
ich gehen. Ich lebe jetzt im Nothilfezentrum Adliswil, ich teile mit
drei anderen einen Container. Pro Tag bekomme ich für zehn
Franken Migros-Gutscheine – sechs Tage in der Woche. Am
Sonntag muss ich offenbar nichts essen, findet das Migrationsamt. Von
den Migros-Gutscheinen muss ich leben. Einige Leute bekommen manchmal
noch zusätzlich drei Franken, wenn sie das Nothilfezentrum
putzen. Ich sitze meistens in unserem Container rum. Was soll ich sonst
schon tun? Ich kann ja auch nicht mit dem Zug irgendwo hin fahren.
Dafür fehlt mir das Geld. Besuch darf nur zwischen neun Uhr
morgens und sieben Uhr abends kommen. Ich habe hier in der Schweiz bis
jetzt vor allem andere Asylsuchende kennengelernt. Schweizer
Freundinnen und Freunde habe ich fast keine gefunden. Wenn ich mich in
der Öffentlichkeit aufhalte, würde man mich schnell
verhaften. Viele Freunde von mir sind schon mehrmals einfach
für ein paar Tage von der Polizei inhaftiert worden. Ich habe
ja gar keinen Ausweis, nur eine Fotokopie des Durchgangszentrums, mit
meinem Foto und meinem Namen.
„Dann durfte ich nicht mehr“
Alles, was ich will, ist einen normalen Ausweis und eine Arbeit. Ich
möchte einen Beruf lernen. Ich würde sehr gerne
Menschen in einem Altersheim pflegen. Bis vor zwei Jahren durfte ich
wenigstens noch bei 
den Beschäftigungsprogrammen der
Asylorganisation (...) arbeiten, von Montag bis Freitag und dabei
hundert Franken im Monat verdienen. Ich fand das gut. Ich will so leben
wie die anderen. Ich will am Tag arbeiten. Doch dann durfte ich
plötzlich nicht mehr, wegen dem neuen Asylgesetz. Von der
Kirchenbesetzung habe ich im Kasama erfahren. Das ist ein Ort, wo sich
viele Flüchtlinge immer am Dienstagmittag treffen. Wir
können dort unsere Migros-Gutscheine in Bargeld umtauschen,
bekommen zu essen und können mit einander reden. Für
mich ist das Kasama sehr wichtig. Ohne den Umtausch der
Migros-Gutscheine könnte ich überhaupt nicht reisen
und andere Leute besuchen.“
Berhanu Tesfaye,
Äthiopien
„Mein Name ist Berhanu, ich bin Äthiopier und lebe
seit Januar 2000 in Zürich. Ich bin fünfzig Jahre alt
besitze einen Bachelor in Agrar-Ökonomie und einen Master in
Entwicklungs-Wissenschaften. Ich möchte beschreiben, weshalb
ich ein Asylsuchender geworden bin: Ich habe in Äthiopien als
höherer Beamter in der Regionalverwaltung von Gambella im
Südwesten des Landes gearbeitet. Meine Aufgabe war es, zu
kontrollieren, ob das jährliche Regionalbudget richtig
eingesetzt wurde. 1989 ging ich zusammen mit zwei Kollegen für
16 Monate legal nach Holland, um dort meinen Master zu machen. In
dieser Zeit brachen in Cambella ethnische Unruhen aus. Die Armee
richtete Massaker an, es kam zu mehreren hundert Toten. Meine beiden
Kollegen sind dennoch zurückgekehrt, nach dem unsere
Aufenthaltserlaubnis in Holland abgelaufen war. Sie wurden beide sofort
nach Ankunft verhaftet. Der eine von ihnen hat seither fünf,
der andere sechs Jahre im Gefängnis zugebracht. Da wollte ich
es nicht mehr riskieren, nach Hause zu gehen. Weil ich aber in Holland
nur unter der Bedingung studieren durfte, dass ich kein Asylgesuch
stellen werde, bin ich in die Schweiz gekommen, um hier ein Gesuch zu
stellen. Ich bin zwei Mal abgewiesen worden. Äthiopien ist ein
Land mit ungefähr 75 Millionen Einwohnern und wird seit mehr
als vierzig Jahren von einem Unrechtsregime geführt. Bis 1991
herrschte dort eine Militärjunta, seither herrschen ethnisch
geprägte Parteien. Obwohl der Äthiopische Staat auf
dem Papier die Menschenrechte garantiert, gehört
Äthiopien weltweit zu den unrühmlichen Spitzenreitern
beim Verhaften von Journalisten. Mitglieder von Oppositionsparteien
werden kollektiv verhaftet und eingesperrt.

Eine Reihe Familienclans
Die Politik der herrschenden Partei EPRDF (Ethiopian peoples
revolutionary democratic front) provoziert ethnische
Auseinandersetzungen zwischen Volksgruppen, die seit Jahrhunderten
Seite an Seite leben. Die Regierung schreckt auch vor einer
Massakrierung der eigenen Leute nicht zurück, wenn diese
abweichende Ideen vertreten. Beispiele für Verbrechen der
Regierung sind das Massaker an Angehörigen des Anuak-Stammes
(Südwest-Gambella), das 400 Tote forderte, die Massaker in der
Region Sidama, die mehr Autonomie von der Zentralregierung verlangte,
oder die 193 Toten, welche bei Unruhen in der Hauptstadt Addis Abeba im
Anschluss an die Wahlen im Jahre 2005 zu beklagen waren, als
Oppositionspolitiker 137 der 138 zu vergebenden Sitze erringen konnten
und die Regierung des Wahlsieg niederschlug. Die EPRDF ist keine
eigentliche Regierung sondern eine Reihe von Familienclans, die sich
gegenseitig verschiedene Posten zuschachern und so alle Bereiche der
Verwaltung kontrollieren. In jedem Rechtsstaat gilt der Grundsatz der
Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Judikative. Nicht so in
Äthiopien. Hier greifen die Staatsgewalten ineinander. Es gibt
weder eine gegenseitige Kontrolle, noch einen gegenseitigen Ausgleich.
Auch das Militär, die Polizei und die Geheimdienste sind von
einer einzigen Ethnie dominiert. Sie dienen nicht dem Volk, sondern der
regierenden Partei. Diese aber unterdrückt nicht nur die
Menschen, die in Äthiopien leben, sondern setzt ihren
diplomatischen Stab ein, um Informationen über
Äthiopier zu sammeln, die im Ausland leben. Ein Land, wo vier
Millionen Menschen jährlich Hunger leiden, setzt seine mageren
Ressourcen ein, die Äthiopische Diaspora auszuspionieren! Um
die Wahrheit zu sprechen: Die Schweiz möchte mich um jeden
Preis loshaben und ist daher bereit, mich in die Hände einer
Sippe von Diktatoren zu liefern. Ich möchte an das Schweizer
Volk appellieren, den Äthiopiern zu helfen, und mir eine
Erlaubnis zu geben, hier zu bleiben, bis Äthiopien zur Ruhe
kommt.“
Dies also zwei Schicksale, welche die Betroffenen in die
Mühlen der Schweizer Migrationspolitik geführt haben,
stellvertretend für unzählige weitere vergleichbare
Lebensgeschichten, welche die Behandlung, der diese Menschen hier bei
uns unterzogen werden, noch inhumaner und unbegreiflicher erscheinen
lassen, ihre Forderungen hingegen umso nachvollziehbarer.
Demonstration der
Solidarität
Die BesetzerInnen hielten regelmässig lange, multilinguale
Delegierten- und Vollversammlungen ab, in welchen sie Entscheidungen
fällten. In den Medien wurde teilweise versucht, die Besetzung
als eine vom Bleiberecht-Kollektiv angeführte Aktion
darzustellen, in welcher die Betroffenen bloss eine Nebenrolle
spielten. Wer selbst an den Versammlungen teilnahm, erlebte das genaue
Gegenteil. Auf Samstag, den 3. Januar 2009 luden die AktivistInnen zu
einem grossen Demonstrationsumzug unter dem Motto
„Solidarität mit den Sans-Papiers der
Predigerkirche“ ein. Die Kundgebung war ein Erfolg und
erzielte grossen Zulauf. Regierungsrat Hollenstein war schon zu Beginn
der Besetzung aufgefordert worden, die Kirche aufzusuchen und die
BesetzerInnen dort zu treffen. Hollenstein liess indes verlauten, er
käme nicht in die Kirche, sei aber bereit, eine Delegation der
BesetzerInnen zu empfangen, jedoch nur wenn diese die Predigerkirche
räumten. Im Anschluss an die Demo liessen die BesetzerInnen
verlauten, die Gesprächsbedingungen Hollensteins
erfüllen zu wollen und die Predigerkirche am 4. Januar zu
verlassen. Pfarrer Anselm Burr lud die Sans-Papiers bis am 7. Januar in
die Kirche St. Jakob am Stauffacher ein.

Enttäuschender
Regierungsrat
Das Folgende ist zitiert von der
Homepage www.bleiberecht.ch:
(...) Am 5. Januar wurde eine Delegation der KirchenbesetzerInnen von
Hollenstein empfangen. Im Gespräch lehnte er jegliche
Verbesserung der Nothilfe ab. Als ihn ein Bewohner des Nothilfezentrums
„Hammermühle“ im Kemptthal darauf
aufmerksam machte, dass sich leider in seiner Nähe keine
Migros befinde, brüstete sich Hollenstein, er habe
persönlich die Initiative ergriffen und für die 91
Personen im Zentrum drei Fahrräder (!) anschaffen lassen,
damit sich die weit weg liegende Migros besser erreichen liesse.
Hinsichtlich der Härtefälle versprach Hollenstein die
Einsetzung einer Härtefallkommission, jedoch ohne einen
konkreten Zeitplan zu nennen und sich zu deren Kompetenzen zu
äussern.
Eine allfällig eingesetzte Kommission
müsste weitreichende Kompetenzen wie bspw. für die
Definierung klarer, verbindlicher Richtlinien für die
Bewertung von Härtefällen haben, damit sie eine
tatsächliche Verbesserung in der Zürcher Asylpolitik
darstellen würde. Härtefallkommissionen existierten
bislang in Basel, Luzern und Neuenburg. Diese haben zwar keine
Entscheidungsbefugnisse, jedoch aber die Möglichkeit, bei den
zuständigen kantonalen Behörden Empfehlungen und
Anträge einzureichen.
Hollenstein erwähnte ausserdem in der Medienkonferenz nach dem
Gespräch, dass sämtliche abgelehnten
Härtefallgesuche erneut geprüft würden.
Flüchtlinge, die bereits fünf Jahre in der Schweiz
leben, können sich nun also vage Hoffnungen machen,
mittelfristig als Härtefall anerkannt zu werden. Jene jedoch,
welche noch keine fünf Jahre in der Schweiz sind,
müssen sich erst noch eine Weile lang illegal durchschlagen,
bis sie überhaupt erst ein Härtefallgesuch stellen
können. An der im kantonalen Vergleich äusserst
restriktiven Bewilligungspraxis von solchen Gesuchen will Hollenstein
gegenwärtig nichts ändern, weshalb wohl auch eine
erneute Prüfung der Gesuche nicht viel nützen wird.
Die Sans-Papiers kritisierten in einer Medienmitteilung indes, dass
sich Hollenstein hinter dem Migrationsamt verstecke und seine
politische Verantwortung nicht wahrnehme. In Interviews zeigten sich
die Sans-Papiers enttäuscht vom Gespräch mit
Hollenstein. Sie hatten sich vor allem auch positive
Veränderungen in ihrem harten Alltag unter dem Nothilferegime
erhofft. Am 7. Januar zogen die Sans-Papiers aus der Kirche St. Jakob
aus und erklärten ihre Aktion nach langen Diskussionen
für beendet. Viele von ihnen kehrten nach 19 anstrengenden
Tagen schliesslich in die Nothilfeunterkünfte zurück.
Vorbei ist ihr Kampf damit aber nicht - er hat erst richtig angefangen.
In den kommenden Wochen werden weitere politische Schritte beraten.
(...)

Wie weiter?
Die engagierten Menschen in der Schweiz befinden sich, nach dem
migrationpolitischen Frühling, welchen die Sans-Papiers
Bewegung vor ein paar Jahren bewirkt hatte, längst wieder in
der Defensive und müssen sich von der SVP und anderen Kreisen
diktieren lassen, was sie denken sollen und was nicht. Abstimmung um
Abstimmung geht verloren und rechtspopulistische Kreise setzen ganz auf
die Karte „Ausländer raus“ und auf weitere
Verschärfungen des Ausländer- und Asylrechts. Sie
wissen geschickt tief verankerte Ressentiments gegenüber allem
„Fremden“ zu bedienen. Dem soll eine breite und
starke Bewegung entgegengesetzt werden, in der verschiedenste
gesellschaftliche Akteure jeglicher Couleur Platz haben und die von den
Betroffenen selbst mitgetragen wird. Gerade die Forderung nach einem
kollektiven „Bleiberecht für alle“ soll
als erster Schritt aus der momentanen Defensive herausführen.
Zehntausende von Menschen, welche längst hier Wurzeln
geschlagen haben, leben seit Jahren mit einer vollkommen ungewissen
Zukunft in diesem Land. Statt Chancengleichheit zu schaffen, wird
Integration gezielt strukturell verhindert. Es wird so eine
Zweiklassengesellschaft geschaffen, mit einem Heer an unqualifizierten
Arbeitskräften und Ausgeschlossenen, welche jederzeit
für Billiglohnarbeit abrufbar sind.
„Wir sind uns
bewusst, dass die Realisierung eines Bleiberechts für
„Gestrandete“ ein langer und steiniger Weg sein
wird. Wir sind aber der Ansicht, dass die aktuelle Misere im Asyl- und
Migrationsbereich nur durch ein Bleiberecht entschärft werden
kann“, so das Credo des Bleiberechts-Kollektivs
Zürich. Jegliche Unterstützung durch
möglichst viele Menschen, die bereit sind, konkret auf allen
Ebenen gegen das Unrecht anzukämpfen, ist vonnöten
und wird zur Überwindung der unhaltbaren Zustände
beitragen.
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