.: Ausgabe Nr. 26 :.

Text: Milna Nicolay

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Selbsttötung aus Protest

mn. Sergül Albayrak hat sich am 28.Dezember 2004 aus Protest gegen ihre vierjährige Isolationshaft in einem türkischen Gefängnis des F-Typs verbrannt. Sie ist bereits die 118 Gefangene die sich tötet um auf die grauenhaften Zustände in den türkischen Gefängnissen aufmerksam zu machen. Die türkische Presse hat ein Publikationsverbot der Ereignisse verhängt.

Die in Deutschland aufgewachsene Sergül Albayrak, politisierte sich, sinnierte über Gerechtigkeit, engagierte sich und reiste in die Türkei, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Sie wurde 1997 als 19-jährige verhaftet, gefoltert und vergewaltigt. Nach ihrer Verhaftung war sie in den Gefängnissen von Ulucanlar, Sakarya, Canakkale und Usak. Sie erlebte mit, wie Gefangene am 19. Dezember 2000 von türkischen Sicherheitskräften (TAXI 5) massakriert wurden. Sergül Albayrak wurde im Dezember 2004 aus dem Gefängnis entlassen. Aber das Erlebte konnte sie nur mit der spektakulären und für uns fast nicht nachvollziehbaren Selbstverbrennung verarbeiten.

Erlebte Folter Hier ein Auszug ihres Berichtes über die erlebte Folter: "Da ich aus Deutschland kam, fragten sie mich ständig, ob ich die deutsche Staatsangehörigkeit habe. Ständig drohten sie mir, ich würde was erleben, wenn ich nicht endlich reden würde. Und je länger ich schwieg und die Aussage verweigerte, desto heftiger schlugen und traten sie mich. Danach fingen sie auch noch an mich zu betatschen. Während des Verhörs hatten sie mir Handschellen angelegt und meine Augen verbunden. In dieser Situation haben sie mich entkleidet und mich sexuell belästigt. Zwei GenossInnen mussten zuschauen, als ich gefoltert wurde. Und ich musste mir die Folter, die sie erlitten anhören. ..Sie haben mich vergewaltigt, obwohl ich eine Aussage gemacht habe. Und danach zwangen sie mich die Aussage immer wieder zu erneuern. Sie wollten immer mehr. Am 26. August wurde ich wieder ins Krankenhaus gebracht und bekam bescheinigt, dass ich nicht gefoltert wurde."

Bitte um Verständnis Sie schrieb an ihre Familie folgenden Abschiedsbrief: Ich sterbe für das ganze Volk, für die Lazen, Cerkesen, Kurden, Georgier, Sunniten, Aleviten, jeder Volks- und Religionszugehörigkeit. Ich bin nicht böse! Ich bin eine Todesfastenskämpferin. Und habe eine Entscheidung getroffen; ich werde eine Aufopferungsaktion durchführen. Ich denke das ist mein Recht. Es gibt einen einzigen Verantwortlichen für meine Aktion: DER STAAT! Dieser Staat, der auf der Isolation beharrt und seine Brutalität immer stärker zu Tage bringt, ist verantwortlich für meinen Tod! Lieber Vater, Du hattest mit dem, was Du am Telefon sagtest Recht: "Diese Welt ist die der Hurensöhne". Ich kann mir schon die Antwort auf meine Frage "wer ist die Hure?" denken und muss lachen. Die Huren sind jene, welche die Heimat verkaufen. Welche die Kinder dieses Heimatlandes in Isolation foltern. Eure Tochter, Schwester, Nichte, Tante 26/12/2004 Sergül Albayrak

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