.: Ausgabe Nr. 13 :.

Text: Milna Nicolay

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Saheli Helpline für Frauen in Südindien

In Indien gibt es viele homosexuelle Frauen, die unter dem Druck ihrer Familien Ehen eingehen, die sie nicht wollen. Aufgrund der vielschichtigen indischen Lebensformen haben frauenliebende Frauen einen sehr schweren Stand in diesem frauenverachtenden (Mitgiftmorde) Land. Immer wieder werden Lesben in den Selbstmord getrieben oder wegen ihren sexuellen Präferenzen ausgegrenzt und emotional missbraucht.
Um zu belegen, dass es in Indien schon immer Lesben gegeben hat, drehte die Filmregisseurin Deepa Metha den Spielfilm „Fire". Die Hauptdarstellerin Shabana Azmi, Tochter eines Schauspielers und Dichters, setzt sich auch für den Schutz der SlumbewohnerInnen in Mumbai ein, die von Vertreibung und Zerstörung bedroht sind. Nandita Das, die Darstellerin der Sita ist als Tochter des Malers Jatin Das an Selbstbestimmung gewöhnt. Sie hat mit Homosexualität keine Probleme. Es sei etwas, das es „natürlich bei uns immer gegeben" habe, erzählt sie in einem Interview. Zugleich äussert sie Bedenken darüber, wie in Indien auf den Film reagiert werden würde. Von Bewunderung bis hin zu Todesdrohungen wollte sie nichts ausschliessen. Solche Widersprüchlichkeiten, die sich auch in der indischen Gesellschaft spiegeln, lösen sehr viel Zweifel, Unsicherheiten, Hemmungen, Ängste und Unentschlossenheit bezüglich der sexuellen Orientierung von Inderinnen aus.

Der Film „Fire" inspirierte das indische Magazin „Outlook" Lebensgeschichten von Lesben aus verschiedensten Regionen des Subkontinents ab zu drucken. In einem mehrseitigen Artikel mit dem Titel „Frauen ohne Männer" wurde aufgezeigt, dass lesbische Beziehungen nicht nur in der Schickeria, sondern auch bei ganz gewöhnlichen Durchschnittsbürgerinnen zu finden sind. Die Ehegattin, die Schwester, die Oma, die Putzfrau, die Fussböden wäscht, die Bankbeamtin, die einen Scheck einlöst, jede könnte lesbisch sein. Diese Lesben leben nicht nur in den Hoch- und Penthäusern der Grossstädte, sondern auch in ländlichen Gebieten. Bereits in den achtziger Jahren, noch bevor das Kabelfernsehen Indien eroberte, berichteten indische Medien von der Sichtbarkeit lesbischen Lebens: Es gab Berichte über zwei Polizistinnen, die schon damals einen Priester gefunden hatten, der für sie eine Hochzeitszeremonie durchführte. Ebenso erschienen auch Meldungen über lesbische Beziehungen in Mädchenheimen.

Ziel des Projektes Saheli ist in erster Linie, Selbstmorde oder erzwungene Ehen von homosexuellen Frauen zu verhindern. Journalistische Artikel, öffentliche Vorträge und auch Aufklärungsarbeit in Form von Filmen und Diavorträgen sollen die indische Gesellschaft darauf aufmerksam machen, dass es in Indien, wie in jedem anderen Land der Welt auch, Liebesbeziehungen zwischen Frauen gibt. Da dieses Faktum in Indien noch lange keine Selbstverständlichkeit ist, benötigen Frauen, die sich in dieser Situation befinden, spezielle Beratung, seelische Unterstützung und Betreuung. Saheli möchte mit der Etablierung einer 24-Stunden-Helpline in der Betreuung von Lesben, bisexuellen und transgender Frauen einen ersten Akzent setzen, um folgendes zu erreichen: Lösungsvorschläge bei organisierten und erzwungenen Ehen, um Familienkrisen zu vermeiden. Unterstützung bei der Überwindung von Schuldgefühlen, Selbsthass und Scham von Lesben, bisexuellen und transgender Frauen. Die Helpline richtet sich vorwiegend an Frauen, die sich in Bezug auf ihre sexuelle Orientierung unsicher sind. Verheiratete Frauen, die Frauen lieben. Frauen, die sich zu Frauen hingezogen fühlen, aber nicht als Lesben bezeichnet werden wollen. In Form von möglichst breit gestreuter Berichterstattung soll auf Tabus und die Marginalisierung von Lesben, bisexuellen und transgender Frauen hingewiesen werden.
In Indien existiert ein Gesetz, das „widernatürlichen" Geschlechtsverkehr unter Strafe stellt. Es stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert, der Zeit der britischen Kolonialherrschaft und wurde im Geist des viktorianischen England verfasst. Es ist zwar noch nie eine Frau wegen eines solchen Vergehens verurteilt worden, das Gesetz wird aber immer wieder als Instrument der Drohung und Einschüchterung benutzt. In England ist das Gesetz längst abgeschafft. Indien aber hält an dem viktorianischen Relikt fest.
Eine Website mit projektbezogenen Infoseiten, einer Poesieseite und einer Unterhaltungsseite soll Vertrauen schaffen. Geplant ist die Einrichtung einer mobilen Hotline, die psychologische Beratung und Betreuung anbieten soll. Veröffentlichungen ethnologischer, historischer und aktueller Berichte über Frauen, die Frauen lieben in Zeitungen und Magazinen sollen breiter informieren. Angestrebt wird die Etablierung von Gruppen für Lesben, bisexuellen und transgender Frauen. Es braucht Räumlichkeiten, wo Frauen einander begegnen können. Auch Notunterkünfte für Frauen in Notsituationen müssen bereitgestellt werden. Diese Massnahmen dienen der Stärkung des Selbstbewusstseins, unter anderem auch bei „Coming Out"-Problemen. Angestrebt wird die wirtschaftliche Unabhängigkeit und die Befreiung von repressiven patriarchalen Strukturen.

Weitere Informationen: saheli-asia.org

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